Wildtierhilfe und Jagdschein - ein Widerspruch?

Jägerbrief von Jagdschule Soltau

Im letzten Jahr eröffnete ich - vorerst für hilfsbedürftige Wildtiersäuglinge - die „Wildtierhilfe Auenland“.

 

Nun habe ich meine Jägerprüfung erfolgreich abgeschlossen.

 

Wie kann das zusammenpassen?

Das wohl Entscheidende zuerst:

  1. Ich habe nicht vor zu jagen.
  2. Ich werde weiterhin meinem abgewandelten „Hippokratischen Eid“ treu bleiben und jedem mir anvertrauten Tier die beste Hilfe bieten, die ich zu geben vermag. (Dieses schließt auch die Weitervermittlung an kundige Stationen genauso ein, wie das Einschläfern beim Tierarzt oder das mir nun gesetzlich erlaubte sofortige Erlösen.)

Warum aber habe ich bei meiner Einstellung zu Tieren einen teuren und sehr anspruchsvollen Kurs absolviert, der in der allgemeinen Vorstellung fälschlicherweise das Töten von Wildtieren zum vorrangigen Ziel hat?

 

Nun: Bislang habe ich in Wildtierstationen, Tierarztpraxen und Tierheimen Praktika gemacht bzw. mit ihnen zusammengearbeitet. 

Zudem habe ich schon viele Jahre Kontakt zu Jägern, deren Einstellung zur Hege ich durchaus teile.

Zu meinem Leidwesen habe ich auch immer wieder mit schwerverletztem Wild zu tun, für die der Weg zum nächsten Tierarzt nur unnötig verlängertes Leid wäre.

Und ich bin froh, dass Tiere erlöst werden dürfen. Bei den Menschen habe ich schon zu oft tatenlos zusehen müssen, wie sie viel zu lange auf den erlösenden Tod warten mussten.

 

Tatsächlich war für mich der Schritt, eine Jägerprüfung abzulegen, nur eine Frage der Zeit. Und ich bin wirklich froh, mich für diesen Weg entschieden zu haben. 

Denn ich habe unglaublich viel über Zusammenhänge gelernt. Entgegen der allgemeinen Vorstellung hat auch nur ein wirklich kleiner Teil des sehr anspruchsvollen Jagdscheinkurses mit dem waidgerechten Töten zu tun.

Und ich kann ehrlich sagen, dass der Tierschutzgedanke und vor allem der Respekt der Lebewesen gegenüber bei dem Jagdschulinhaber Marco Soltau in der ganzen Zeit an oberster Stelle stand bzw. steht.

So setzt er beispielsweise nur unversehrt lebend fangende Fallen ein, lehnt Flintenlaufgeschosse ab und warnt vor Schrotschüsse auf Landprädatoren wie etwa Füchse.

Kein Wunder, dass Tierärzte, Zootierpfleger und auch andere Natur- und Tierliebhaber bei Ausbildern wie ihm einen Jagdscheinkurs absolvieren.

Um wirklich helfen zu können, ist es wichtig, sich so viel Wissen und Fertigkeiten wie möglich anzueignen.

Sammeln und auswählen...

 

Ich wünschte, es wäre anders. Aber die von den Menschen ruinierte Natur braucht leider Jäger! Allerdings idealistische Jäger; welche, die von Politik und Landwirten bei der Hege unterstützt werden und die die Artenvielfalt und vor allem die Gesunderhaltung ALLER freilebenden Tiere (auch welche, die nicht dem Jagdrecht sondern ausschließlich dem Naturschutzrecht unterliegen) zum Ziel haben statt Trophäen nachzujagen - ob nun für die Wand oder für ein Foto.

Mit diesen Jägern möchte ich auch weiterhin zusammenarbeiten. Wir können uns ergänzen und unterstützen.

Denn im Grunde haben wir doch das gleiche Ziel.

Also: 

Ich selbst habe nicht vor zu jagen.

Und ich werde mir weiterhin treu bleiben und jedem Tier die beste Hilfe bieten, die ich zu geben vermag.

 

Euch bitte ich nur darum:

Seid offen und neugierig ... es gibt nirgends nur „Schwarz oder Weiß“!