Kapuzineraffen - glücklicherweise bestechlich

Wilder Azara-Kapuzineraffe schaut aus Baum runter.

Wilde, freilebende Affen ... und ich mittendrin! Damit ist hier im Pantanal, im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, ein Kindheitstraum von mir in Erfüllung gegangen.

Eines Tages einmal freilebenden Gorillas und Orang-Utans zu begegnen und ihnen mit irgendetwas auf meine Weise ein bisschen helfen zu können, wird höchstwahrscheinlich ein unerfüllter Wunsch bleiben

Nichtsdestoweniger: Diese Kapuzineraffen sind einfach entzückend! Leider wurde mir sofort klar, dass sie gerade deshalb oft als Haustiere missbraucht werden.

Gruselig finde ich u.a. das Spazierengehen mit Affen - mit Hundehalsband und Leine ... wobei ich Halsbänder schon bei Hunden zumeist nicht mag und Geschirre bevorzuge. Wer weiß, was so mancher Ruck im Halsbereich alles anrichten kann ...

Muss ich dazu erwähnen, dass Affen bei Langeweile und Einzelhaltung - vermutlich auch noch nach der aktuellen Mode gekleidet (die Windel nicht vergessen!) - ab der Geschlechtsreife aggressiv werden und deshalb "ausgetauscht" werden müssen?! Sie sind nun mal KEINE Haustiere.

 

In der Freiheit sehe ich sie mir dagegen nur zu gern an. Ich schaue in ihre Gesichter, lasse mich von ihrer Mimik und Gestik bezaubern... und freue mich über die sehr individuellen Gesichtszüge.

Und ein Affenbaby wird vermutlich bei so einigen tiefe Gefühle erwecken können.

 

Umso geschockter war ich, als ich in einem Bestimmungsbuch, das ich in einer Lodge fand (nicht in den beiden im Pantanal) auf den Post-it "EATABLE" stieß ... ESSBAR?! 

Wie kann man diese Tiere ESSEN?! Dann erfuhr ich von meinem Guide, dass seiner Mutter einmal ein Kapuzineraffenbaby zum Essen angeboten wurde, auf dessen Anblick sie allerdings mit heftiger Übelkeit reagierte. Noch heute hat sie Albträume von dem Affenbaby, das einem Menschenbaby so ähnlich sah.

Ob man nun grundsätzlich Fleisch isst oder nicht ... wie kann man ein Lebewesen essen, das uns so ähnlich sieht?!

 

 

 

Übrigens sind diese Tiere verdammt schnell ... und vor ihren Zähnen sollte man sich auch in Acht nehmen. Ich hatte ihnen - nachdem ich ihnen das erste Mal begegnet war - auf meinen Ausflügen als Bestechung kleine Bananen mitgebracht, um sie in Ruhe und aus der Nähe fotografieren zu können. Da ich die Schale nicht im Wald herumliegen lassen wollte, hatte ich die Schale entfernt und den Tieren nur die Frucht angeboten - das war dem einen adulten Männchen nicht genug, weshalb er kurzerhand auf meine Schulter sprang und mir die Schale entriss.

Und den Moment, als ich keine Bananen mehr für sie hatte, werde ich auch nicht vergessen. Ein adultes Tier kam drohend mit gebleckten Zähnen auf mich zu. Die anderen Kapuziner waren auch sehr nah, hielten sich jedoch zurück. Schließlich hob ich vor Ratlosigkeit meine Hände und zeigte ihm meine leeren Hände. Und siehe da: Sofort ließ das Tier von mir ab - und zog eine sehr traurige Fluntsch. ... Danach verschwanden sie alle wieder im Dickicht.

 

(Kurze Anmerkung: Das Brot war NICHT von mir! Die Bilder entstanden bei drei Begegnungen mit derselben Gruppe und bei einer war noch jemand dabei, der nicht abzubringen war, Weißbrot zu verfüttern. Leider bin ich einfach zu entzückt von diesen Fotos.)